Zufahrtsschutz bei Veranstaltungen 2026

Die Digitalkonferenz des Bundesverband Veranstaltungssicherheit

Programm Digitalkonferenz am 15.10.2026

Der Vorsitzende des Bundesverband Veranstaltungssicherheit eröffnet die Digitalkonferenz und gibt einen Ausblick auf den Tag.

Die Planung von stationären Zufahrtsschutz-Systemen unterscheidet sich im Aufwand erheblich von mobilen Systemen. Dies beginnt bereits bei der Aufstellung des Planungsteams, das hier einen wesentlich größeren Umfang einnimmt. Auch die Entscheidungen und Vorgaben der Kommunalpolitik sind beim Einsatz stationärer Systeme von erheblicher Bedeutung. Denn diese können die Lebensqualität im öffentlichen Raum spürbar verbessern, führen jedoch oft auch zu Einschränkungen für die Bürgerinnen und Bürger einer Kommune. Zudem hängt die Auswahl der passenden stationären Systeme von vielen Faktoren ab – wie etwa der vorhandenen Tiefbau-Infrastruktur oder der städtebaulichen Verträglichkeit. Der Vortrag zeigt den Umfang der Planung sowie die konkrete Umsetzung von stationären Zufahrtsschutz-Systemen im öffentlichen Raum auf und stellt diese zur Diskussion.

Frank Siebold ist als Architekt im Bereich des öffentlichen Bauens sowie auf die Planung von Sicherheits-, Lärm- und Zufahrtsschutzkonzepten für Großveranstaltungen spezialisiert. Seit 2006 entwickelt sein Büro maßgeschneiderte Sicherheits- und Zufahrtsschutzkonzepte für Events aller Art, darunter die Hessentage, und betreut diese von der Genehmigungsplanung bis zur EU-weiten Ausschreibung. Als Experte auf seinem Gebiet wirkte Frank Siebold zudem im Konsortium der DIN SPEC 91414 Teil 2 mit.

Schutzziele im Zufahrtsschutz lassen sich nicht am Schreibtisch allein definieren. Sie entstehen im Zusammenspiel von Veranstaltern, Behörden, Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten, Verkehrsplanung und weiteren Beteiligten. Der Vortrag zeigt, wie Schutzziele in einem interdisziplinären Workshop direkt vor Ort gemeinsam entwickelt werden können. Im Mittelpunkt stehen die strukturierte Begehung der Veranstaltungsfläche, unterschiedliche Nutzungsanforderungen sowie die Abwägung zwischen Schutzwirkung, Erreichbarkeit, Logistik und öffentlichem Leben. Anhand eines praxisnahen Vorgehens wird erläutert, wie ein gemeinsames Lageverständnis entsteht, Zielkonflikte frühzeitig sichtbar werden und tragfähige Schutzziele als Grundlage für die weitere Planung formuliert werden können.

Dennis Eichenbrenner ist Sicherheitsmanager (B.A.), Fachplaner für Besuchersicherheit und betreibt mit EVS-Safety ein Unternehmen mit den Schwerpunkten Veranstaltungssicherheit, Brandschutz und Führungsmanagement. Seit 2020 ist er 1. Vorsitzender des bvvs (Bundesverband Veranstaltungssicherheit e.V.).

Wirksamer Zufahrtsschutz endet nicht am Straßenrand und besteht nicht ausschließlich aus Pollern oder Fahrzeugsperren. Gerade angrenzende Grünflächen, Plätze und Freiräume können Umfahrungsmöglichkeiten eröffnen und müssen daher in die Planung einbezogen werden.

Der Vortrag zeigt, wie städtebauliche, topografische und landschaftsplanerische Elemente Teil eines ganzheitlichen Zufahrtsschutzkonzeptes werden können. Betrachtet werden unter anderem Erdwälle und Geländemodellierungen, Böschungen und Geländesprünge, Bäche und Gräben sowie Treppen- und Terrassenanlagen. Dabei werden auch mögliche Dimensionierungen und die Grenzen ihrer Schutzwirkung betrachtet.

Anhand praxisnaher Beispiele wird gezeigt, wie sich solche Maßnahmen gezielt einsetzen und Schutzwirkung, Stadtgestaltung und Aufenthaltsqualität miteinander verbinden lassen.

Stephan Trogus ist geschäftsführender Gesellschafter der SIKO.team GmbH und Fachplaner im Bereich Veranstaltungssicherheit mit besonderem Schwerpunkt auf Zufahrtsschutz. Neben seiner planerischen und beratenden Tätigkeit engagiert er sich als 1. stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes Veranstaltungssicherheit (bvvs) insbesondere für die Weiterentwicklung praxisgerechter Standards in der Veranstaltungssicherheit.

Städtebauliche Herausforderungen – stationäre Systeme einbinden

Stationärer Zufahrtsschutz verändert den öffentlichen Raum. Poller und andere dauerhaft installierte Schutzsysteme müssen sich in bestehende Stadtstrukturen einfügen und zugleich vielfältige Anforderungen erfüllen: Fuß- und Radverkehr, Barrierefreiheit, Rettungswege, Lieferverkehr und Veranstaltungsnutzungen sind ebenso zu berücksichtigen wie Stadtgestaltung und Aufenthaltsqualität.

Der Vortrag zeigt, wie stationäre Zufahrtsschutzsysteme in ein städtebauliches und betriebliches Gesamtkonzept eingebunden werden können. Im Mittelpunkt stehen die Festlegung von Schutzbereichen, die Positionierung der Systeme und der Umgang mit notwendigen Durchfahrten. Dabei werden insbesondere die Schnittstellen zwischen Schutzwirkung, alltäglicher Nutzung und wechselnden Veranstaltungsanforderungenbetrachtet.

Anhand praxisnaher Beispiele wird erläutert, welche Zielkonflikte bei der Planung entstehen und wie sie bearbeitet werden können. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der frühzeitigen Abstimmung zwischen Stadtplanung, Straßenbaulastträgern, Sicherheitsbehörden, Veranstaltern und weiteren Beteiligten sowie auf verlässlichen Zuständigkeiten für Betrieb, Freigaben und Kontrolle.

Daniel Schlatter ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Veranstaltungssicherheitsrecht, Sicherheitsplaner und Veranstaltungsleiter. Er verbindet die rechtliche Beratung mit der praktischen Planung und Organisation von Veranstaltungssicherheit. Im Zufahrtsschutz befasst er sich insbesondere mit der Einbindung von Schutzmaßnahmen in Sicherheits- und Verkehrskonzepte sowie mit den rechtlichen und organisatorischen Anforderungen an deren Umsetzung.

Zufahrtschutzkonzept – Das Henne-Ei-Prinzip, oder: was war zuerst da?
Bei der Erstellung von Zufahrtschutzkonzepten sind am Markt sehr verschiedene Trends zu beobachten:
 
Trend 1: „Was wir haben, setzen wir ein.“
Kommunen oder Veranstalter verfügen bereits über eigene Sperrmittel, die von erfolgreichen Vertriebsleuten dort platziert wurden.
Der Einsatz dieser Sperrmittel bestimmt die Gestaltung der Zufahrtschutzkonzeption.
 
Trend 2: „Das war hier vorne schon immer so, aber da hinten können wir auf keinen Fall schon sperren.“
Das Footprint einer Traditionsveranstaltung bestimmt kompromisslos den Schutzbereich.
Das Zufahrtschutzkonzept versucht sich in der Anpassung und wird zwischen Verkehrs- und Sicherheitskonzeption zerrieben.
 
Trend 3: „Die Polizei muss uns sagen, welche Fahrzeugsicherheitsbarrieren wir aufstellen sollen“
Man verlässt sich bei der Schutzzieldefinition auf Organisationen, deren Aufgabe es nicht ist, die Schutzziele der Veranstaltungssicherheit zu definieren. Das Konzept basiert auf ungeeigneten Zielen.
 
Trend 4: „Schenk ein, mach Striche“
Ein Zufahrtschutzkonzept wird erstellt ohne fachliche Marktvorprüfung des Erstellers. Die fehlende Marktkenntnis führt zu unrealistischen Ausschreibungen, die von keinem Marktteilnehmer bedient werden können. Das Konzept wird niemals zur Umsetzung kommen.
 
Trend 5: „Ach, ist schon wieder Weihnachten, war doch gerade erst Ostern?“
Es werden völlig ungeeignete Zeitläufe für Vergabeverfahren gewählt, die zu viel zu späten Vergabeentscheidungen führen. 
Im Resultat schlagen Mondpreise der Anbieter zu buche.
In Zeiten leerer Stadtkassen führt dieses Vorgehen zu unnötigen Kompromissen in der Umsetzung und zur Aufweichung des Konzeptes.
 
Dabei ist die Antwort auf die entscheidenden Fragen klar und einfach:
Welches Vorgehen ist bei der Erstellung eines Zufahrtschutzkonzepts anzuwenden?
Welche Normen sind relevant?
Welcher Stand der Technik ist zu beachten?
 
Marten Pauls, Geschäftsführer von campo event engineering, ist Meister für Veranstaltungstechnik, Sachkundiger für Zufahrtschutz und erfahrener Verfasser und Umsetzer von Zufahrtschutzkonzepten für Großveranstaltungen im öffentlichen Raum. Zusammen mit Daniel Schlatter hat er den ersten Sachkundekurs im deutschen Markt aufgelegt: „Zufahrtschutz für Veranstaltungen im öffentlichen Raum“ (TÜV Rheinland Akademie). Aktuell ist Marten Pauls an der Erarbeitung und Umsetzung der Zufahrtschutzkonzeption für den Magdeburger Weihnachtsmarkt beteiligt, die konform mit DIN ISO 22343-2 und DIN SPEC 91414-2 erstellt und umgesetzt wird. Marten Pauls ist beteiligter Co-Autor an dem in der Tagung vorgestellten Sammelbands „Zufahrtschutzkonzepte für Veranstaltungen und Märkte“, Herausgegeben von Prof. Thomas Sakschewski.

Der Zufahrtsschutz von Veranstaltungen und Märkten  verlangt eine ganzheitliche Perspektive. Der in Kürze erscheinende Sammelband führt praxisnah das Fachwissen führender Experten des Zufahrtsschutzes zusammen. Im Vortrag werden die zentralen Fragestellungen, Themenschwerpunkte und Erkenntnisse der Publikation vorgestellt. Dabei wird deutlich, wie vielfältig die Anforderungen an wirksamen Zufahrtsschutz sind – von rechtlichen und planerischen Grundlagen über technische Lösungen bis hin zur konkreten Umsetzung im öffentlichen Raum. Der Vortrag bietet einen kompakten Einblick in das Werk und zeigt, welchen Beitrag der Sammelband zur fachübergreifenden Diskussion und zur Weiterentwicklung des Zufahrtsschutzes leisten kann.

Thomas Sakschewski ist Professor für Veranstaltungsmanagement und -technik im Studiengang Theater- und Veranstaltungstechnik und -management an der Berliner Hochschule für Technik sowie Mitgesellschafter der eve risk GmbH. Er ist Autor zahlreicher Publikationen im Themenkreis Veranstaltungsmanagement und Sicherheitsplanung. Darunter das mittlerweile in dritter Auflage vorliegende Standardwerk zur Sicherheitsplanung „Sicherheitskonzepte für Veranstaltungen“.

Stadtfeste, Weihnachtsmärkte und andere Veranstaltungen sind wichtige Orte der Begegnung und prägen das kulturelle Leben in unseren Städten und Gemeinden. Gleichzeitig haben die Anschläge der vergangenen Jahre die Anforderungen an den Zufahrtsschutz deutlich erhöht und stellen Kommunen und Veranstalter vor erhebliche organisatorische und finanzielle Herausforderungen. Der Vortrag beleuchtet dieses Spannungsverhältnis zwischen einem möglichst hohen Sicherheitsniveau und dem Anspruch, öffentliche Räume offen, lebendig und attraktiv zu halten. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie wirksamer und verhältnismäßiger Zufahrtsschutz gelingen kann, ohne dass Sicherheit zum Hindernis für kommunale Veranstaltungskultur wird

Finn-Christopher Brüning ist seit 2019 beim Deutschen Städte- und Gemeindebund tätig und verantwortet als Referatsleiter die Bereiche Ausländer- und Flüchtlingspolitik, innere Sicherheit, kommunales Ordnungsrecht, Bevölkerungsschutz, Rettungswesen, Bundeswehr sowie kommunale Daseinsvorsorge. Er ist Volljurist und seit über 20 Jahren in der Kommunalpolitik aktiv. Herr Brüning war zuvor in einer kommunalen Verwaltung beschäftigt, arbeitete mehrere Jahre für eine Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein sowie für einen ehemaligen Verteidigungspolitiker im Bundestag

Für den Zufahrtsschutz bestehen verschiedene nationale und internationale Normen und technische Regelwerke mit unterschiedlichen Zielsetzungen und Anwendungsbereichen. Der Vortrag gibt einen kompakten Überblick diese und zeigt, welche Aussagen sie insbesondere zur Prüfung und Klassifizierung von Fahrzeugsicherheitsbarrieren sowie zur Planung und Umsetzung von Zufahrtsschutzmaßnahmen treffen. Dabei werden Zusammenhänge, Unterschiede und Grenzen der Regelwerke erläutert und aus Sicht der Planungspraxis eingeordnet. Außerdem wird betrachtet, welche Bedeutung Normen für Planung, Ausschreibung und Umsetzung haben, wann ihre Anwendung gefordert sein kann und wie mit Abweichungen fachlich umzugehen ist. Ziel ist es, Orientierung für einen sachgerechten Umgang mit Normen zu geben, ohne die notwendige projektspezifische Bewertung aus dem Blick zu verlieren.
 
Florian Haidvogl ist Rettungsingenieur sowie Fachplaner und Leiter Besuchersicherheit und leitet den NRW-Standort der SIKO.team GmbH mit Sitz in Köln. In seiner Tätigkeit plant und begleitet er Veranstaltungen unter anderem durch die Erstellung von Sicherheits- und Zufahrtsschutzkonzepten, die Begleitung von Genehmigungsverfahren sowie die Übernahme der Veranstaltungsleitung. Zuvor leitete er beim Bezirksamt Hamburg-Mitte das Verfahrensmanagement für Großveranstaltungen und kennt daher sowohl die behördliche als auch die planende und umsetzende Perspektive. Aktuell wirkt er unter anderem an der Normungsarbeit zum Zufahrtsschutz mit.

Bei der Paneldiskussion zur Zukunft des Zufahrtsschutzes diskutieren:

  • Prof. Thomas Sakschewski, Berliner Hochschule für Technik
  • Finn Brüning, Deutscher Städte- und Gemeindebund
  • Robin Bauer, Bundesverband Veranstaltungssicherheit e.V.

Es moderiert:

  • Dennis Eichenbrenner, Bundesverband Veranstaltungssicherheit e.V.

Der Vorsitzende des BVVS fasst den Tag zusammen und beendet die Digitalkonferenz 2026

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